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Wieso eigentlich offene Daten?

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{term:Offene Daten}, insbesondere {term:Offene Regierungsdaten}, sind eine umfassende Quelle die zur Zeit fast völlig ungenutzt bleibt. Viele Personen und Organisationen sammeln eine Vielzahl an verschiedenen Datentypen um ihre Aufgaben zu erfüllen. Behörden sind in diesem Zusammenhang besonders bedeutend, sowohl wegen der Quantität und zentralen Verwaltung der Daten, die sie sammeln, als auch weil die meisten Daten des öffentlichen Sektors rechtmäßig öffentliche Daten sind, und deshalb offengelegt und öffentlich zugänglich gemacht werden können und sollten. Warum ist das so wichtig?

Es gibt viele Bereiche in denen offene Daten wertvoll sind, und in denen es bereits Beispiele gibt, wie sie genutzt werden können. Auch gibt es verschiedene Personengruppen und Organisationen, die aus der Verfügbarkeit von offenen Daten Nutzen ziehen können, inklusive den Behörden selbst. Gleichzeitig ist es unmöglich, vorherzusagen, wie und wo genau Werte in der Zukunft geschaffen werden. Es liegt in der Natur von Innovation, daß Entwicklungen an unerwarteten Orten geschehen.

Wir können bereits heute auf eine Vielzahl an Bereichen verweisen, wo offene Regierungsdaten Mehrwert schaffen. Einige dieser Bereiche sind:

  • Transparenz und demokratische Kontrolle
  • Partizipation
  • Befähigung der BürgerInnen
  • Verbesserte oder neue Produkte und Dienstleistungen in der Privatwirtschaft
  • Innovation
  • Verbesserte Effizienz und Wirksamkeit von Behördendienstleistungen
  • Wirkungsmessung von politischen Entscheidungen
  • Neues Wissen aus einer Kombination von Datenquellen und Mustern aus großen Datensammlungen

Für fast alle dieser Bereiche existieren schon spannende Beispiele.

Auf dem Gebiet der Transparenz, zeigen Projekte wie das Finnische “Tax Free” und das Britische “Where does my Money go?”, wie Steuergelder durch die Regierung verwendet werden. In einem weiteren Fall konnten offene Daten in Kanada Steuerhinterziehung in Höhe von 3.2 Milliarden kanadischen Dollar bei gemeinnützigen Organisationen aufdecken. Verschiedene Webseiten, wie die Dänische folketsting.dk verfolgen die Vorgänge im Parlament und der Gesetzgebung, so daß Du genau verfolgen kannst, was passiert und welche Parlamentarier darin involviert sind.

Offene Regierungsdaten können Dir auch helfen, bessere Entscheidungen in Deinem Leben zu treffen, oder dich aktiver in Deiner Gesellschaft einzusetzen. Eine Person in Dänemark hat die Webseite findtoilet.dk eingerichtet, die alle öffentlichen Toiletten in Dänemark zeigt, damit Menschen mit Blasenproblemen selbstbewußter ausgehen können. In den Niederlanden ist ein Dienst vervuilingsalarm.nl verfügbar, der Dir eine Warnmeldung sendet, wenn die Luftverschmutzung in Deiner Umgebung einen selbstgewählten Schwellwert überschreitet. In New York kannst Du problemlos herausfinden, wo Du Deinen Hund ausführen darfst, und andere Menschen kennenlernen, die die selben Parks benutzen. Dienste wie “mapumental” in Großbritannien und “mapnificient” in Deutschland helfen Dir, den idealen Wohnort unter Berücksichtigung der Fahrzeit zur Arbeit und der Schönheit der Umgebung zu finden. Alle diese Dienste nutzen offene Regierungsdaten.

Wirtschaftlich gesehen sind offene Daten von großer Bedeutung. Mehrere Studien haben den Wert von offenen Daten alleine in der EU auf einen zweistelligen Milliardenbetrag in Euros taxiert. Neue Produkte und Firmen nutzen offene Daten weiter. Die dänische Webseite husetsweb.dk hilft Dir, die Ennergieeffizienz deines Hauses zu verbessern, inklusive der Finanzplanung und der Suche nach Handwerkern. Sie basiert auf Grundbuchinformationen und Daten über staatliche Fördergelder, sowie dem örtlichen Handelsregister. Google Translate nutzt die riesige Menge an EU-Dokumenten, die in allen europäischen Sprachen veröffentlicht werden, um die Übersetzungsalgorithmen zu trainieren, und damit die Übersetzungsqualität zu verbessern.

Offene Daten sind auch für die Regierung selbst wichtig. Zum Beispiel können sie zur Effizienzsteigerung beitragen. Das Niederländische Bildungsministerium hat alle ihre Bildungsdaten online veröffentlicht. Seitdem hat die Anzahl an einzelnen Nachfragen nachgelassen, was Arbeitsaufwand und Kosten senkt. Gleichzeitig sind die verbleibenden Nachfragen einfacher zu beantworten, weil sie auf die Onlinepublikationen verweisen können. Offene Daten machen die Behörden auch effektiver. Die Niederländische Amt für Kulturbesitz publiziert ihre Daten aktiv und arbeitet mit privaten historischen Gesellschaften und der Wikimedia-Stiftung zusammen, um ihre eigenen Aufgaben effektiver zu erfüllen. Das führt nicht nur zu Verbesserungen in der Qualität seiner Daten, sondern erlaubt auch, das Amt letztendlich schrumpfen zu lassen.

Obwohl es unzählige Beispiele gibt, wie offene daten bereits heute gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert schaffen, wissen wir noch lange nicht, was alles möglich ist. Neue Kombinationen von Datenquellen können neue Erkenntnisse und Wissen schaffen, und völlig neue Anwendungsgebiete eröffnen. Wir haben das in der Vergangenheit erlebt, als z.B. Dr. Snow den Zusammenhang zwischen Trinkwasserverunreinigung und Cholera im London des 19. Jahrhunderts entdeckte, indem er die Verteilung der Choleratoten und die Platzierung der Brunnen verglich. Dies führte zum Bau der Londoner Abwasserkanalisation, die die Gesundheit der Bevölkerung drastisch verbesserte. Wir werden derartige Entwicklungen wahrscheinlich öfter erleben, wenn unerwartete Erkenntnisse aus der Verbindung von verschiedenen offenen Datensätzen entstehen.

Dieses ungenutzte Potential kann freigesetzt werden, wenn wir öffentliche Regierungsdaten in Offene Daten verwandeln. Das setzt allerdings voraus, daß sie wirklich offen sind, d.h. daß es keine Beschränkungen (legaler, finanzieller oder technischer Natur) in Bezug auf ihre Weiterverwendung durch Dritte gibt. Jede Einschränkung schließt Menschen von ihrer weiteren Nutzung aus, oder erschwert die Nutzung. Um das Potential nutzen zu können müssen öffentliche Daten offene Daten werden.